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TALK12 lädt Steffen Kehrle zur Diskussion

Designer Steffen Kehrle auf der TALK12-Bühne der Fakultät für Design
Designer Steffen Kehrle auf der TALK12-Bühne der Fakultät für Design

[22|11|2019]

Wie kann Design die Zukunft mitgestalten?

 

„What’s next? – wie können wir als Designer/in die Zukunft mitentwerfen?“ – Diese Frage beschäftigt Steffen Kehrle und treibt ihn an. Und diese Frage war es auch, um die sich die TALK-Veranstaltung mit Steffen Kehrle im Wesentlichen drehte. Gemeinsam mit seinem Atelier ASK, das sich als politikoffenes Büro versteht, diskutiert er das Thema, wann immer es geht – am 21. November 2019 eben auf Einladung des TALK12-Teams in der Fakultät für Design.

 

Der gebürtige Ulmer absolvierte nach seinem Studium in Wien unter anderem Praktika bei BMW, Busse Design, FrédéricDedelley und arbeitete bei Stefan Diez. 2009 machte er sich mit dem Atelier Steffen Kehrle – ASK selbstständig und ist inzwischen international bekannt. ASK ist ein Atelier für Gestaltung mit den Schwerpunkten Produkt- und Ausstellungsdesign. Vom Garderobenhaken bis hin zur Architektur entwirft und inszeniert Steffen Kehrle Produkte und Objekte jeder Größenordnung für industrielle, museale und kulturelle Kontexte. Seine Objekte und Produkte zeichnen sich durch eine ikonische Formensprache sowie Klarheit, Präzision und Gründlichkeit aus. (Mehr zu Steffen Kehrle und ASK unter: www.ateliersteffenkehrle.com und im DOC. Magazin no. 11 )

 

Das folgende Zitat von Dieter Rahms diente als Ausgangspunkt des Gesprächs:

 

„Ich glaube, unsere jetzige Situation wird zukünftige Generationen erschaudern lassen angesichts der Gedankenlosigkeit, mit der wir heute unsere Häuser, Städte und unsere Landschaft mit einem Chaos aus allerlei Schrott füllen … Die Zeiten gedankenloser Gestaltung, die nur in Zeiten gedankenloser Produktion und gedankenlosen Konsums gedeihen kann, sind vorbei. Wir können uns keine Gedankenlosigkeit mehr leisten. (…) In der Tat könnte der Zusammenbruch des gesamten Systems bevorstehen.“

 

Das Zitat von 1976 ist heute so aktuell wie eh und je. Steffen Kehrle stimmt mit den Gedanken von Dieter Rahms überein und merkte an, dass es längst fünf vor zwölf, wenn nicht schon zwölf sei. Deshalb hat er den Anspruch, Lösungen und Systeme zu entwickeln, statt immer noch in kleinen fest definierten Produkten, wie „Stuhl“ zu denken. Dazu komme, dass die besten Produkte einer Art zum Teil schon entworfen worden seien.

 

Designer/innen als Vordenker/innen

 

Auf die Frage der Studierenden, ob nun die Entwicklung neuer Produkte und Möbel verhindert werden sollte, antwortet er: „Es braucht die richtigen Produkte.“ Es könnten, aber es müssten keine Möbel sein, so Kehrle. Insgesamt sollten wir aus unserem gewohnten Umfeld und Denken ausbrechen, um unmögliche Gedanken zu formulieren und herumzuspinnen.

 

Er merkt an, dass „Designer/in“ ein Beruf ist, der sehr viel Erfahrung bedarf und dass man erst nach vielen Jahren der Ausbildung ein guter Designer bzw. eine gute Designerin wird. Designer/innen seien Impulsgeber, flexibel im Kopf und imstande, unterschiedliche Szenarien durchzuspielen. Diese Kraft und Energie sollten in andere Bereiche einfließen, denn „ein Designer muss als Vordenker fungieren“.

 

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Trotz der unüberschaubaren Flut an neuen Fragen und Problemen, die sich aus der Frage „Wie können wir als Designer/in die Zukunft mitentwerfen?“ ergeben, schloss Steffen Kehrle das TALK-Gespräch mit den motivierenden Worten: „Ich habe überhaupt nicht den Mut verloren, ich bin motivierter denn je.“

 

Text: Noemi Slawinski
Fotos: Tim Petersen