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Ingo Maurer 87-jährig verstorben

[28|10|2019]

Der Lichtdesigner und Künstler war Alumnus der Fakultät für Design

 

Der „Meister des Lichts“ Ingo Maurer ist am 21. Oktober 2019 im Kreise seiner Familie in München gestorben.

 

Im Jahr 1931 kam Ingo Maurer auf der Insel Reichenau/Bodensee zur Welt. Nach der Schule machte er eine Lehre als Schriftsetzer und studierte von 1954 bis 1958 Gebrauchsgrafik an der Akademie für das Graphische Gewerbe in der Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker. Die Akademie – damals in der Pranckhstraße 2 – war eine Vorläuferinstitution der Fakultät für Design.

 

Sein offener Geist führte ihn schon früh ins Ausland. 1960 ging er zunächst in die USA. Bis 1963 war er dort als freier Grafiker tätig. Nach der Rückkehr nach München war er viel in Japan, Brasilien und anderen Ländern unterwegs – immer wieder auch in den USA. Seit über 40 Jahren lebte er zudem in New York. Zu der pulsierenden Metropole hatte er seit den sechziger Jahren ein ganz besonderes Verhältnis. „Zuhause? Zuhause ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle und der mich inspiriert. Das kann in New York, Paris, Tokio, Sao Paulo oder auch in München sein“, betonte er gerne. „Zuhause bin ich, wenn ich bei guten Freunden bin. Ich brauche die Provokation. Das gibt mir Kraft, um kreativ sein zu können.“

 

Ingo Maurer schrieb über 50 Jahre Lichtgeschichte

 

Gemeinsam mit seinen langjährigen Mitarbeitern entwickelte er in der Designerei in München-Schwabingikonenhafte Leuchten an der Schnittstelle zwischen Gebrauchs- und Kunstobjekt. Die besondere Mischung aus Poesie und Technologie, pointiert mit einem ironischen Augenzwinkern ist ein Merkmal, welches das Design Ingo Maurers auszeichnet. Entwicklungsprozesse verlaufen spielerisch, unkonventionell, immer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Lösung.

 

Kleinste Details werden durchdacht und am Modell diskutiert. Im Ergebnis galt es, die besondere Lösung zu finden, die gleich einer spontanen Skizze durch ihre Leichtigkeit besticht und den Menschen berührt. Nicht selten werden Nutzer gleich beim Aufbau der Leuchte einbezogen und wie bei „Zettel’z“ (1997) dazu eingeladen, die Leuchte mit zu gestalten. „Zuerst entsteht in meinem Kopf die Idee von einem Objekt – wie ein Traumgebilde. Erst im nächsten Schritt suche ich gemeinsam mit meinem Team nach Wegen für die Realisierung. Manchmal dauert es Jahrzehnte, bis die technischen Entwicklungen unsere Vorstellung möglich machen“, beschrieb er den kreativen Prozess. Um diese Vision kompromisslos umsetzen zu können, beschloss Ingo Maurer bereits 1966, selbst zu produzieren, so dass auch die Herstellung kleiner Serien möglich ist. Noch heute werden alle Leuchten in München gefertigt.

 

Mit Gestaltungsaufträgen im privaten wie öffentlichen Bereich setzte er international Zeichen. „Bulb“ – eine Tischleuchte in Form einer übergroßen Glühbirne – wurde 1969 in die Design Collection des Museum of Modern Art in New York aufgenommen und wird noch heute produziert. Die Beleuchtung der U-Bahn-Stationen "Westfriedhof" (1998) und "Münchner Freiheit" (2009) in München sowie das Pendel "Flying to Peace" für die Messe Frankfurt (2018) sind nur einige Highlights einer langen Liste an Auftragsarbeiten. 2018 schloss er eines seiner facettenreichsten Projekte ab – ein Gesamtkonzept für das Weingut Tsinandali in Georgien. Seit Oktober 2019 erstrahlt das Residenztheater München in neuem Licht, mit der „Silver Cloud“ hat der Lichtkünstler ein weiteres ikonisches Werk erschaffen.

 

Ingo Maurer in der Pinakothek der Moderne

 

in der Pinakothek der Moderne in München kann bis Februar 2020 die Installation „Pendulum“ im Atrium bewundert werden. Außerdem wird vom 15. November bis 1. Oktober 2020 die Ausstellung „Ingo Maurer Intim. Design or What?“ gezeigt.