Flaggenzeug.
Welche Rolle spielen Fahnen und Flaggen noch in unserem Alltag? Warum lösen bestimmte Flaggen noch immer emotionale Debatten aus? Wie lassen sich neue Rituale für das identitäts- und identifikationsstiftende Objekt Flagge schaffen?
Das kuratierte Format »Flaggenzeug« bespielt die Fahnenmasten des historischen Zeughauses der Fakultät für Design der Hochschule München seit Oktober 2025 regelmäßig mit künstlerisch-gestalterischen Interventionen.
Gerade im Kontext eines historischen Gebäudes wie dem landesherrlichen Zeughaus ist eine gehisste Flagge immer auch eine Machtdemonstration und insbesondere in Deutschland geschichtlich vorbelastet. Durch unkonventionelle Herangehensweisen sollen die semantischen Aspekte von Flaggen neu ausgelotet, die Beflaggung von überholter Symbolik gelöst und neue kulturelle Muster für ein identitätsstiftendes Objekt geschaffen werden.
#2: Ayzit Bostan
**BITTE BEACHTEN**:
Aufgrund der Wetterlage musste der Termin leider kurzfristig verschoben werden!
NEUER TERMIN: 09. April 2026, 18.30 Uhr, Fakultät für Design
Mit einer Einführung in das Format »Flaggenzeug« durch Prof. Markus Frenzl sowie einem Gespräch mit der Designerin und Künstlerin Ayzit Bostan, moderiert von Tina Barankay.
Das Motiv der beiden von Ayzit Bostan gestalteten Flaggen besteht aus dem Wort »Pause« und dem Pause-Symbol. Ayzit Bostan ist Designerin, Künstlerin und lehrt als Professorin im Bereich Design textiler Produkte an der Kunsthochschule Kassel.
Eine Pause ist mehr als eine simple Unterbrechung: Sie ist eine kritische, kreative und notwendige Intervention in die tägliche Praxis des Gestaltens, Lernens und Arbeitens. In einer Zeit, in der Leistung, Effizienz und ständige Verfügbarkeit oft zum Maßstab werden, stellt die Pause eine radikale Gegenbewegung dar: ein bewusstes Innehalten, das Raum schafft für Reflexion, Erholung und neue Ideen. Dabei ist »Pause« nicht gleichbedeutend mit Inaktivität – sie ist vielmehr ein wesentlicher Teil der Kreativität. Studierende und Kreative brauchen Pausen, um zu atmen, zu träumen, zu verarbeiten. Die beste Idee entsteht oft nicht im Arbeitsraum – sondern im Moment danach, in dem das Unbewusste wirkt, wo Verbindungen entstehen, die im ständigen Tun verpasst werden.
Als präsentes Zeichen an der Fassade des historischen Zeughauses der Fakultät für Design werden die von Ayzit Bostan gestalteten Fahnen zum Statement für die Anerkennung von Gesundheit als Grundlage kreativen Denkens und für die Würde des Nichtstuns. Als Spiel mit dem Klischee von studentischem Müßiggang machen sie deutlich, dass die Pause kein Defizit ist, sondern eine kreative Ressource – ein Moment des (produktiven) Innehaltens.
#1: Francesco Giordano
23. Oktober 2025, 18–20 Uhr, Fakultät für Design
Mit einer Einführung in das Format »Flaggenzeug« durch Prof. Markus Frenzl sowie einem Gespräch mit dem Fotografen Francesco Giordano, moderiert von Tina Barankay.
Francesco Giordano ist Alumnus der Fakultät für Design. Der Fotograf und bildende Künstler, lebt und arbeitet in München, hat italienische und spanische Wurzeln und wurde 1992 in Süddeutschland geboren. Giordano widmet sich Projekten, die sich mit LGBTQIA+-Themen und Migration beschäftigen.
Er nutzt die Fotografie, um gesellschaftliche Themen hervorzuheben, indem er mehr Sichtbarkeit für marginalisierte Gruppen und queere Themen schafft. Giordano experimentiert mit Kreativtechniken wie Langzeitbelichtungen, Verschiebungen und starken Farben, um mehr Spannung zu erzeugen. Der wichtigste Aspekt für ihn ist jedoch, seine Protagonisten und Protagonistinnen mit Stolz und Würde zu porträtieren. Mit seinem Hintergrund in Design Studies, bei denen Zielgruppen, Verständlichkeit und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen, konzentriert sich Giordano mit seiner konzeptionellen Arbeit auch auf Zugänglichkeit und Inklusion.
Im Rahmen des Projekts »Flaggenzeug« zeigt Francesco Giordano zwei Porträts aus Projekten, die er selbst maßgeblich initiiert und entwickelt hat. Beide Arbeiten stehen exemplarisch für sein künstlerisches und gesellschaftliches Engagement und geben queeren Lebensrealitäten Sichtbarkeit, erzählen von Widerstand, Solidarität und Selbstbehauptung und verknüpfen individuelle Biografien mit kollektiven Erfahrungen. Seine Installation für »Flaggenzeug« macht die Flagge, traditionell ein Symbol von Macht und Abgrenzung, zu einer Bühne für Diversität, Erinnerung und Gemeinschaft.
Konzept und Kuration.